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Abendgymnasium zu Gast bei Radio 99,6 Saarbrücken |
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Radio 99,6 14. April 2010 |
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Am 14.04.2010 war das Saarbrücker Abendgymnasium zu Gast in der Sendung “Helden wie Ihr”. Ralf Thiel sprach mit Schulleiter Wolfgang Rekrut und den Schülerinnen Sabrina Flohr und Steffi Thiel. Die beiden Frauen befinden sich in der Hauptphase I, die vergleichbar mit der gymnasialen Klasse 12 ist. |
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Saarbrücken. Wolfgang Klein ist seit elf Jahren bei der Post, arbeitet in der Nachtschicht bei der Briefsortierung. Damit seine Tochter Stefanie mehr aus ihrem Leben macht, geht er noch einmal zurück zur Schule - um sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Klein: "Wir haben gemeinsam die Mittlere Reife nachgeholt." Jetzt lernen die beiden fürs Abi. Noch arbeitet Stefanie als Aushilfskraft, ebenfalls bei der Post. Nach dem Abitur 2009 will sie ihren Kindheitstraum verwirklichen und Jura studieren. Davor wird jedoch fleißig gelernt. Damit sie die Motivation nicht verliert, hilft ihr Wolfgang Klein mit vollem Einsatz. Seit Sommer 2005 gehen die beiden Saarbrücker auf das Abendgymnasium und pauken dort von 17.15 Uhr bis 21.30 Uhr. Anschließend fahren sie zur Arbeit. Wolfgang Klein erzählt der Zeitung 20Cent: "Ich musste das Lernen erst wieder lernen. Gerade Algebra hatte ich nicht so drauf." Das macht der Tochter dafür umso mehr Spaß. Stefanie: "Wir unterstützen uns gegenseitig." |
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Dem ein oder anderen wird folgender Satz bestimmt schon einmal durch den Kopf gegangen sein: „Mann, warum hab' ich nur kein Abi gemacht? Das braucht man heute doch!" So ging es zum Beispiel auch Luba Moser, die nach Abschluss einer Ausbildung zur Pharmazeutisch-Kaufmannischen Assistentin 10 Jahre in einer Apotheke gearbeitet hat. „Irgendwann kam der Frust, und ich merkte, dass ich eine Herausforderung brauche", sagt die 27-jahrige Schülerin des Abendgymnasiums Saarbrücken. Auch Kai Otto (28) vormals beim Straßenbauamt beschäftigt, forderte sein erlernter Beruf irgendwann nicht mehr genug: „lch wollte irgendwann mehr, als nur auf der Straße zu stehen", berichtet er. Beide besuchen die 13. Klasse und haben vor, nach dem Abitur zu studieren. Die Motivation der einzelnen Schüler, das Abendgymnasium zu besuchen, scheint nicht so unterschiedlich zu sein wie die Arbeitsmoral. „Die Zahl der Aussteiger ist bei dieser Schulform viel höher als bei der .Normalform des Gymnasiums", sagt Wolfgang Rekrut, der hier im vierten Jahr Direktor ist. „Viele machen die Schule auch zusätzlich zu ihrem normalen Beruf. Und wenn sie es dann durchziehen, habe ich davor besonderen Respekt." Es ist halt schon was anderes, abends in die Schule zu gehen, vor allem nach einem langen Arbeitstag. Luba und Kai sind sich aber einig, dass es auch seine Vorteile hat, „denn man kann abends klarer denken, weil man nicht mehr schlaftrunken ist." Und nicht nur was die Motivation angeht, sondern auch alterstechnisch ist alles dabei. Rekrut: „Wir haben einen Schüler der zusammen mit seiner Tochter die Schulbank drückt. Und unser Ältester ist stolze 61 Jahre alt." Je nach Vorbildung dauert das Abendgymnasium 3 oder 4 Jahre. Der Unterricht beginnt – außer mittwochs – jeden Abend um 17.15 Uhr. Als Alternative zum Abendgymnasium kann man sein Abitur auch am Saarland-Kolleg machen. |
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Text und Bilder: Daniel Schmidt |
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Schule und Kind unter einen Hut zu bringen, ist für viele Abendgymnasiasten im Saarland schwer. Deshalb rufen Mütter und Väter den Stadtverband Saarbrücken um Hilfe, um ein Projekt "mit Modellcharakter" zu starten: eine Abend-Kinderbetreuungsstätte. Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus Saarbrücken. Mitunter begegnen Simone Anderko (Klasse 13), wenn sie um 17 Uhr das Saarbrücker Otto-Hahn-Gymnasium betritt, Kids auf den Fluren. "Mitbringsel" von Schülern, die nicht wieder fehlen wollen und ihre Kleinen mit in die Schulbank packen. Simones Kinder wurden auch schon mal zu "Störfällen" im Englischunterricht, weil ihr Mann die Ablösung nicht schaffte. "Damals wäre ich froh gewesen, ich hätte eine Notfall-Lösung parat gehabt", sprich eine Kinderbetreuungsstätte in Schulnähe. Just jetzt ergibt sich diese Chance. Die Hausmeisterwohnung auf dem Schulhof-Gelände des Otto-Hahn-Gymansiums - Sitz des einzigen Abendgymnasiums im Land - steht leer und soll vermietet werden. Schüler und Lehrer reklamieren die Räume in einem Schreiben an den Schulträger - den Stadtverband - jetzt für sich, wollen eine "Kinderbetreuungsstätte für lernende Mütter und Väter" einrichten. Dafür würden sie auch Miete zahlen und haben sich die Unterstützung des SOS-Kinderdorfs e.V. gesichert, der Helferinnen vermitteln würde. Aus eigener Finanzkraft ist das Vorhaben aber nicht zu stemmen, meint der Stellvertretende Schulleiter Wolfgang Rekrut. Er hat den Appell, der auch an die Landtagsfraktionen ging, zusammen mit Schulleiter Gerd Brosowski und neun Schülerinnen unterschrieben. Dort heißt es: "Es kommt vor, dass wir überhaupt nicht in die Schule gehen können, weil wir keinen Babysitter gefunden haben. Jede Woche, jeden Tag, stehen wir vor dem Problem, wie wir Kinder und Lernen vereinbaren können. (...). Wir wollen etwas leisten und wir wollen Kinder, das muss doch machbar sein." Auch die ehemalige Schulsprecherin Yvonne Schmitt, selbst kinderlos, erlebt die Belastung ihrer Mitschüler als Dauer-Thema, das sich auf die Qualität des Unterrichts auswirkt: "Es ist für den Gesamtablauf schlecht, wenn immer Leute fehlen und deshalb viel wiederholt werden muss." Auch sei die "Gleichbehandlung" schwierig, wenn Kinder bei Fehlzeiten als Blanko-Entschuldigung akzeptiert würden. Sie engagiert sich deshalb ebenfalls für die "gute Idee". Letztere erkennt auch die FDP. Deren Stadtverbands-Fraktionschef Manfred Baldauf will sie in die Gremien bringen. 181 Schüler hat die Schule, davon sind 100 Frauen. Vier Jahre dauert der Weg zum Abitur, an vier Tagen die Woche gehört der Feierabend zwischen 17 und 21.30 Uhr dem Lernen. Eine Umfrage ergab, dass neun Gymnasiasten eine Abendbetreuung sofort in Anspruch nehmen würden. So wenige? Lutz Vordermayer, Vorsitzender des Fördervereins: "Kleinere Kinder sollten um diese Uhrzeit bereits schlafen. Das mag manchen abhalten. Aber ich bin sicher, dass ein Betreuungsangebot mehr Nachfrage auslösen würde. Vielleicht sogar in der nahe gelegenen Abend-Realschule. Man sollte den Mut haben, das Projekt zumindest ein Jahr lang zu testen. Wenn die Kinder groß sind, ist genau die Klientel, die sich über die Abendschule bessere Chancen am Arbeitsmarkt erarbeiten soll, dafür zu alt." Kollege Rekrut hofft zudem auf Werbe-Effekte: "Es ist nicht abschätzbar, wie viele sich gar nicht erst bei uns anmelden, weil sie nicht wissen, wer ihre Kinder übernimmt." Derweil heißt es von Seiten des Stadtverbands Saarbrücken, die Sache sei in der Prüfung. |
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MEINUNG Wer nach einem Arbeitstag zur Schule geht, muss per se ein Organisationstalent sein und besonders leistungswillig dazu. Den Appell der Abendgymnasiasten sollte man deshalb nicht mit Jammern verwechseln, sondern als Zukunftsaufgabe definieren. Hier könnte, ja müsste geholfen werden, nimmt man die Allparteien-Dauer-Beschallung zu "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" ernst. Insofern müsste sich nicht nur der Stadtverband, sondern auch der Landtag für das Thema interessieren. Inakzeptabel wäre sicher eine Vollfinanzierung von Betreuung und Räumen, aber eine Testphase mit Eigenbeteiligung der Schüler sollte drin sein. |
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Besichtigung der Firma Nano-X in Güdingen |
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